Caritaspreis 2021
Preisträgerin
Dr. Daniela Blank
Vita
Dr. Daniela Blank arbeitete nach dem Studium der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Sozialtheologie und dem Masterstudium in Caritaswissenschaft und Christlicher Gesellschaftslehre in einem Ortscaritasverband (Inklusion) und einem Bischöflichen Ordinariat (Gleichstellung). Neben der Promotion arbeitete sie in der universitären Forschung und Lehre an der Universität Freiburg in der Theologischen Fakultät am dortigen Arbeitsbereich Caritaswissenschaft und Christliche Sozialarbeit und forschte dann am zap:Freiburg (Pastoraltheologie) weiter. Ihre Forschungsgebiete sind die Anfänge der pastoralen Laienberufe (Seelsorgehelferinnen), Trauerforschung (Pandemie) und pastorale Evaluation (Multiprofessionelle Pastoralteams).
Verwurzelt in der Caritas
Die Entwicklung der Gemeinschaft
katholischer Gemeindereferentinnen e.V.
zwischen 1926 – 2014
Kurzvorstellung der Arbeit
Das Ziel der Dissertation war die Darstellung der Entwicklung der Gemeinschaft Katholischer Gemeindereferentinnen von ihrer Entstehung im Jahr 1926 bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2014. Insbesondere stellte sich die Frage nach ihrem Bedeutungshorizont auf subjektiver Ebene für die einzelnen Mitglieder sowie in Bezug auf ihre Bedeutung für die Entwicklung pastoraler Laienberufe für die Frau in der Katholischen Kirche, insbesondere für den Beruf der heutigen Gemeindereferentin. Weiterhin wurde die Frage nach den Ursachen für die Auflösung gestellt. Die Arbeit stützte sich zum einen auf die Auswertung von Archivalien und Publikationen der Berufsgemeinschaft und zum anderen auf eine eigens entwickelte empirische Studie, in der semistrukturierte Interviews mit acht Mitgliedern geführt wurden. In Bezug auf die Fragestellung der subjektiven Bedeutung bot sich die empirische, qualitative Forschung an. Als Auswertungsmethode wurde die inhaltlich-strukturierende Inhaltsanalyse (Kuckartz) angewandt.
Die Ergebnisse verdeutlichten, dass die Mitglieder ein enges Commitment zur Berufsgemeinschaft besaßen. Die interviewten Mitglieder der Berufsgemeinschaft erlebten ihren Beruf in der Pastoral als Berufung und sahen ihn als Lebensaufgabe. Die Gemeinschaft wurde dabei als Stütze wahrgenommen, wobei das Netzwerk nicht nur eine beruflich-fachliche Ausrichtung besaß, sondern vor allem eine religiöse Beheimatung bot. Die Gemeinschaft wurde als „Familie“ bezeichnet, was vor dem Hintergrund der anfänglich ehelos lebenden Mitglieder eine wesentliche Bedeutung hatte. Sie stellte für ihre Mitglieder zugleich eine religiöse Heimat, eine fachliche Unterstützung und ein soziales Netzwerk dar.
Über die subjektive Bedeutung und den hohen emotionalen Bezug der einzelnen Mitglieder hinaus besaß die Berufsgemeinschaft ihren eigenen Wert für die Entwicklung der pastoralen Laienberufe der Frau in der Katholischen Kirche in Deutschland. Die Berufsgemeinschaft arbeitete das Berufsbild der Gemeindehelferin und Seelsorgehelferin heraus, verbreitete es und förderte ihre Mitglieder fachlich. Dabei kann ihr eine Vorreiterrolle zugesprochen werden. Zum einen ist hier an andere Gemeinschaften wie die Diasporaseelsorgehelferinnen des Bonifatiuswerk zu denken, die sich in ihrer inhaltlichen Ausrichtung eng an die Berufsgemeinschaft anlehnten. Zum anderen wurden die von der Berufsgemeinschaft ausgearbeiteten Grundlagen für Anstellungsverhältnisse von den Diözesen dankbar übernommen. Darüber hinaus kann behauptet werden, dass erst durch die Pionierleistung der Seelsorgehelferinnen, die von der Berufsgemeinschaft wesentlich unterstützt wurden, der Weg zu neuen, in Gesellschaft und Kirche anerkannten Berufsbildern wie das der Pastoralreferentin und der Theologin ermöglicht werden konnte.
Laudatio
Dr. Daniela Blank erstellte unter der Betreuung von Prof. Klaus Baumann die Untersuchung: „Verwurzelt in der Caritas. Die Entwicklung der Gemeinschaft katholischer Gemeindereferentinnen e.V. zwischen 1926 und 2014“. Sie wurde von der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg im Breisgau als Dissertation angenommen.
Frau Dr. Blank leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Profilierung des Berufsbildes „Gemeindereferentin“ und zur Diskussion um die Stellung der Frau in der katholischen Kirche im Allgemeinen und um den Einsatz von Seelsorgerinnen im Besonderen. Nicht zuletzt durch ihre umfassende Auswertung von Archivbeständen, der Mitgliederzeitschrift der „Gemeinschaft der Gemeindereferentinnen“ und privaten Quellen sowie durch Interviews mit Mitgliedern bewahrt sie die Geschichte der Entwicklung dieses Berufsstandes vor dem Vergessen. Die Relevanz der Arbeit für die Caritas kommt immer dort zum Tragen, wo die Verfasserin Problemstellungen bearbeitet, die speziell die Gemeindereferentinnen als eine Berufsgruppe betreffen, die eben – wie der Titel sagt – in der Caritas ihre Wurzeln hat:
das Verhältnis von „Berufung und Beruf“ und das darin enthaltene Problem der sozialen Absicherung des Berufs; das ambivalente Berufsprofil der „Helferinnnen“; das Bild von Frauen im Kontext der Kirche; die Abgrenzung zu anderen pastoralen Berufsgruppen, speziell zum Priesteramt; das Problem des Klerikalismus; die Rolle von Frauen als Seelsorgerinnen; und generell das Problem der Differenzierung zwischen Seelsorge und Caritas.
Mit all dem hat Frau Dr. Blank eine Untersuchung vorgelegt, die aktuelle Themen und Problemfelder in diakonischen Praxisfeldern der Kirche systematisch, historisch informationsreich und Perspektiven eröffnend bearbeitet. Unausgesprochen, aber unübersehbar setzt sie damit auch den Denkimpuls, ob nicht die vielen Frauen, die in den Feldern der Caritas tätig sind – und für die die Gemeindereferentinnen pars pro toto stehen – zum Ferment einer grundlegend veränderten Kirche werden können.
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